Muttertag

 

 

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Heute ist er, der Tag, Muttertag. Der Feiertag, der ehrt und freut, der dankbar macht und demütig, der weh tun kann. Dazu eine kleine Geschichte von Ernest Hemingway, die ich schon letztes Jahr zu Muttertag geteilt habe:

„Zu verkaufen: Babyschuhe, nie getragen.“

Das ist sie, die Realität für so viele Mütter, für so viele mehr als wir oft denken. Auch die Realität aller Frauen, die in dieser Woche ein Stück ihrer Geschichte hier auf define: mother geteilt haben. Eine Realität, die jedoch nicht still steht, sich verändert – vom vorherrschenden Verlustgefühl, hin zu neuer Freude und Dankbarkeit.  Vergangenes wird nicht vergessen, es wird benannt und man findet nach einer Weile die Kraft, offen zu sein. Authentizität ist, was die Welt, was wir alle dringend brauchen.

Von Herzen DANKE an euch zahlreiche LeserInnen in dieser Woche, danke für all eure guten Worte und Rückmeldungen, danke dass ihr euch auf define: mother eingelassen habt, ob selbst Mutter oder nicht oder vielleicht.

Ich wünsche mir sehr, und ich glaube auch alle Mütter, die in dieser Woche ihr Herz geteilt haben, dass dieses Projekt weitergehen darf. JEDE Mutter hat etwas dazu zu sagen. JEDE Geschichte ist wertvoll und wert, gehört zu werden. Wir laden euch herzlich ein, Vergangenes nicht zu vergessen, es zu benennen und offen zu sein, wenn ihr die Freiheit habt. Meldet euch gern hier.

 

Alles Liebe zum Muttertag, egal ob du ein Kind in Armen hältst, sein Herz unter deinem schlägt oder du es in deinem Herzen trägst.

Und: Muttertag ist immer.

 


 

Today is the day, Mother’s Day. This one festive day that honors and delights, that makes you grateful and humble, this day that can hurt. Here’s a little story by Ernest Hemingway, I already shared last year:

„For sale: Baby shoes, never worn.“

This is reality for so many, for so many more than we sometimes think. It is also the reality of all those women who shared a part of their story this week, here on define: mother. But after all, it is a reality that does not stagnate, it changes – from the prevailing feeling of loss to joy and gratefulness. The past is not forgotten, it’s called by its name and after a while you find the strength to be open about it. Authenticity is what this world, what we all need so badly.

THANK YOU from the bottom of my heart to all of you readers, for all kind words and messages, for opening your hearts, no matter if you are a mother yourselves or not or perhaps.

I hope so much, and I also think that all those mothers do who contributed this week, that this project will continue. EVERY mother has something to say. EVERY story is precious and worth being listened to. We warmly invite you to not forget the past, call it by its name and open up, if you feel free to do so. Please get in touch here.

 

Lots of love to you this Mother’s Day, no matter if you hold a child in your arms, if its heart beats below yours or if you carry it in your heart.

And: it’s always Mother’s Day.

 

B., Mama von dreien

 

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Mama sein beginnt für mich ganz still und unsichtbar: es ist die Entscheidung im Herzen einer Frau, nicht mehr länger nur für sich selbst zu leben. Vier Jahre ist es nun her als ich diese Entscheidung traf und es schien auch alles „nach Plan“ zu laufen: nur wenige Wochen später hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in meiner Hand. Dieser Moment veränderte mein bisheriges Leben grundlegend: mir bis dahin unbekannte Gefühle der Freude und des Glücks, aber auch der Sorge und Unsicherheit bestimmten von da an meinen Alltag. Ich lebte nicht mehr für mich allein, sondern trug ein winziges und einmaliges neues Leben in mir. Das kleine Herz schlug und ich freute mich jeden Tag mehr, dieses Wunder bald in meinen Armen halten zu dürfen… Doch in der 10. Schwangerschaftswoche schlug das Herz nicht mehr. Und statt einem neuen Eintrag in meinem Mutterpass, erhielt ich eine Überweisung ins Krankenhaus…

Mama sein kann so erbarmungslos schmerzvoll sein: ich weinte mir die Augen aus und fühlte mich so, als ob etwas von mir selbst gestorben wäre. Doch mit wem konnte ich meinen Schmerz teilen? Niemand wusste wirklich, was ich fühlte. Mein Mann, meine Familie und engsten Freunde versuchten es, aber auch sie konnten die tiefe Traurigkeit meines Herzens nicht nachempfinden. Doch in dieser schmerzvollen Zeit fand ich Trost bei Gott. „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ Jesaja 66,13. Er verstand mich, er wusste, wie sehr mich dieser Verlust meines Kindes schmerzte.

Schon Monate vorher hatten mein Mann und ich den Namen „Zoe“ entdeckt. Er gefiel uns beiden sofort und wir waren uns einig, dass wir eines Tages unsere Tochter so nennen würden. Zoe bedeutet „das Leben“. So erschien es mir zuerst absurd, nun unserem verstorbenen Kind diesen Namen zu geben. Doch in meinem Trauerprozess wusste ich auf einmal, dass dies der Name unserer ersten Tochter ist, die nun das ewige Leben bei ihrem Vater und Schöpfer im Himmel hat. Und die Gewissheit, dass ich sie dort eines Tages wiedersehen werde, erfüllte mein Herz mit neuer Freude und Zuversicht.

Heute bin ich Mama von drei Kindern. Mama sein ist ein Abenteuer, das manchmal hart, herausfordernd und auch sehr schmerzvoll sein kann, doch trotzdem oder gerade deshalb ist es das wertvollste Geschenk und die wunderbarste Aufgabe, die einem als Frau zuteil werden kann.

 


 

 

Being a mother starts quietly and invisibly: it is the decision in a woman’s heart not to live just for herself anymore. It’s been four years since I’ve made this decision and everything seemed to go just “as planned”: only a few weeks later I held a positive pregnancy test in my hands. This moment changed by life completely: I didn’t know those feelings of joy and happiness, but also sorrow and insecurity, that started flooding my days. I didn’t live just for myself anymore, but carried a tiny unique new life in me. The little heart was beating and I grew happier every day to soon hold this miracle in my arms … But in week 10, the little heart didn’t beat anymore. Instead of getting a new entry into my maternity record book, I was sent to hospital …

Being a mother can be relentlessly painful: I wept and wept and I felt like a part of myself had died. Was there someone to share my pain with? Nobody really knew how I felt. My husband, my family and closest friends, they tried, but they just couldn’t understand this deep sadness of my heart. In this painful time, I found comfort in God. “As a mother comforts her child, so will I comfort you.”, as written in the book of Isaiah, chapter 66, vers 13. He understood, he knew how much pain the loss of my child caused me.

Months before, my husband and I had discovered the name “Zoe” for ourselves. We both loved it and agreed immediately that this would be the name of our daughter. Zoe means “life”. First, it seemed to be absurd to name our dead child like this. However, during my time of grief I suddenly knew that this is the name of our first daughter who now lives eternally with God, her creator. My certainty to see her there again one day filled my heart with new joy and hope. Today, I am mother to three children.

Being a mother is an adventure which sometimes is very hard, challenging and also painful but despite of this, or maybe even because of this, it is the most precious gift and most wonderful task a woman could be granted with.

 

A., Mama ihrer Kinder

 

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Schon in frühen Jahren zog es mich immer zu Kindern.  Die Lebendigkeit faszinierte mich, ich bestaunte sie als Wunder der Schöpfung, so vielfältig, voller Entwicklung und zugleich so Schutzbefohlen.

In mir entwickelte sich der Wunsch sorgen zu dürfen, Verantwortung zu tragen und zu lieben.

Aus einer Liebe zweier Menschen entsteht ein Kind, empfangen zu dürfen, das Leben im eigenen Leib spüren zu dürfen, heranwachsen zu sehen.

Mit der Geburt das erste Loslassen, das mich als Mutter ein Leben lang begleitet.

Es macht mir immer wieder klar, mein Kind ist ein Teil von mir den ich begleiten darf und immer wieder loslassen muss, Schritt für Schritt. Wir gehen nicht im gleichen Tempo, es sind Prozesse. Mir hilft die Gewissheit, dass Gott unsere Schritte begleitet, dass ER die Führung haben darf und dass bei IHM letzten endlich auch das Ziel ist.

Mit jedem Kind das ich haben darf, mache ich neue Erfahrungen.

Es läuft nicht alles „glatt“, die Schwangerschaft und auch das Leben sind in Gefahr. Umso mehr wird es kostbar, wertvoll, eben nicht unbedingt „normal“  und „selbstverständlich“ ein Kind haben zu dürfen.

Mama sein, erfüllt mich mit unsagbarer Liebe, mit Wärme, mit einer Wonne die mich glücklich macht und meiner Berufung näher bringt.

Mama sein fordert mich heraus, Tag Täglich immer wieder aufs Neue, hält mich lebendig.

Mama sein tut auch weh, wenn ich lassen muss, hergeben muss ohne gefragt zu werden, still werden weil Gott einen andern Plan hat.

„Ja“ sagen, auch wenn es weh tut, weil ich weiß, dass ER einen guten Plan hat der mein Verstehen übersteigt und mein Kind in Gottes Hand ist.

Mama sein, wird nie aufhören,  auch nicht über den Tod hinaus!

 

In Liebe,

Mama meiner Kinder.

 


 

 

Already as a young woman I was drawn to children. Their vividness fascinated me, I marveled at them as a miracle of creation, so diverse, full of growth but at the same time in need of protection.

This wish to care, to carry responsibility and to love developed inside of me.

A child that grows out of love of two people. It’s a privilege to be called to being a mother, to conceive, to feel this life in your own body and watch it grow.

At giving birth, letting go for the first time which will go along on all of my journey of motherhood.

It becomes more and more obvious for me that my child is a part of myself I’m allowed to take care for but have to let go again and again, step by step. We don’t go forward at the same pace, it’s always a process. For me it’s helpful to know that God goes along with us, that he leads us and that he’s the destination.

With every child I’m blessed with, I gain new experiences.

Things don’t go “smooth” all the time, pregnancy and life are in danger. This way it becomes even more precious and priceless, less “normal” and “taking it for granted” to be blessed with a child.

Being a mother suffuses me with inexplicable love, with warmth, with a kind of joy that makes me happy and brings me closer to my calling.

Being a mother challenges me, day by day, again and again, it keeps me vivid.

Being a mother also hurts because I know that He has got a good plan which is beyond understanding and because my child is with him.

Being a mother will never end, not even beyond death!

 

In love,

mother of my children.

S., Mama von dreien

 

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Es ist der vierte Jahreslauf, den wir hier an diesem Ort erleben. Die Vergissmeinnicht sprießen, es verströmt ein Schmetterlingsflieder seinen Duft. Die grünen Wipfel rascheln leise, werden zum Rauschen. Bunte Blätter tanzen, bedecken den aufgeweichten Boden. Dann, kein Ton, merkwürdige Stille, nur das Knirschen der Schritte auf schneebedeckter Erde. Bis die Vergissmeinnicht wieder blühen. Ich vergesse nicht. Hier auf der Schmetterlingswiese, wo unser Sohn begraben liegt.

2014 brachte ich unseren ersten Sohn aus ungeklärter Ursache ohne jede Vorwarnung viel zu früh zur Welt. Er konnte das nicht überleben. Ich glaube, dass so ziemlich alles in mir zerbrach.  In den ersten Wochen nach der Geburt verließ ich das Haus im Grunde nicht. Im Nachhinein wurde mir klar, dass Angst und Scham der Grund dafür waren. Davor, bekannte Gesichter zu treffen und ihnen etwas erklären, mich erklären, mein „Versagen“ erklären zu müssen. Davor, dass unbekannte Gesichter mich nicht als das sahen – sehen konnten – als die ich mich selbst fühlte, als Mutter. Das Schmerzhafteste, das jemand zu mir in dieser Zeit sagte, war „Du wirst auch irgendwann Mama sein!“. Ich bin froh, dass ich mich nicht mehr daran erinnere, wer das zu mir gesagt hat. Doch es traf mich zutiefst und es war falsch. Ich war Mama!

Eine Mutter ist eine Frau, die es zulässt, dass ihre Identität unerklärlich tief durch die Liebe zu einem Kind geprägt wird. Dieses Zulassen birgt immer auch einen großen Schmerz – nämlich dann, wenn das geliebte Kind nicht ist, nicht mehr ist. Dann, wenn man loslassen muss. Und das muss jede Mutter, früher oder später, immer wieder. Wie einen Schmetterling.

Eine Mutter ist also auch eine Frau im ständigen Prozess des Werdens, des immer wieder neu Findens dieser ihrer Identität. Ja, wie ein Schmetterling.

Inzwischen bin ich Mutter von drei Kindern – einem nicht bei mir, einem unübersehbaren Wirbelwind, und einem weiteren, das noch im Bauch heranwächst. In allem Schmerz und in allen Facetten habe ich ein „Ja“ zu dieser Identität.

Das ist doch verwunderlich. Alles daran ist verwunderlich, ein Wunder, das Muttersein, das Mutterwerden.

 

* Danke (!) an meinen Mann, der diesen Moment mit unserem Sohn eingefangen hat, und der mich bedingungslos unterstützt.

 


 

 

It’s the fourth time we experience the seasons here in this place. Forget-me-nots spring, a butterfly-bush exudes its scent. Green tree tops rustle gently, becoming a loud one. Colorful leaves dance, cover the rain-sodden ground. And then, not one sound, weird silence, only crunching footsteps on snow-covered earth. Until the forget-me-nots spring again. I won’t forget. Here in this place, where our son is put to rest.

In 2014 our first son was born way too early, completely unexpected and unaccountable. He could not survive. I believe that everything inside of me was torn apart in this moment. In the first weeks after his birth I didn’t leave the house. Now I know that the reason for this was fear and shame. Fear and shame to meet people I know and needing to explain something to them, explain myself, explain my “failure”. Fear and shame that people I did not know wouldn’t see me – couldn’t see me – the way I saw myself, as a mother. The most hurtful thing someone said to me during those weeks was “You will be a mama someday!” I’m glad I don’t remember who said that. But it affected me deeply and it was wrong. I was a mama!

A mother is a woman who allows her identity to be inexplicably molded by the love of a child. Allowing this always inherits a deep pain – when this child is not, is not anymore. When you have to let go. Every mother has to let go, sooner or later, again and again. Like a butterfly.

A mother also is a woman in a constant process of becoming, of finding this identity, her identity, all over again. And again. Yes, like a butterfly.

Today I’m a mother of three children – one who is not here with me, one little whirlwind and one still growing inside of me. In all that pain and with all its different facets, I’ve got a “yes” for this, my, identity.

Isn’t that wondrous? Well, everything about it is wondrous, it’s a miracle, this being a mother, this becoming a mother.

 

* Thank you (!) to my husband who captured this moment with my son, and supports me unconditionally.

N., Mama von fünf

 

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Mama sein bedeutet für mich

 

ein Privileg

ein Geschenk Gottes, das ich mir nicht verdienen kann

ein Wunder empfangen aus der Hand des Schöpfers, geformt in mir,

das ich tragen darf, lieben, annehmen, gebären, loslassen

Verantwortung tragen

Immer wieder neu geformt werden

manchmal an die Grenzen meiner Kräfte kommen und lernen aus Gottes Kraft zu leben

lieben, lachen, träumen, leben

Zeuge sein von Gottes Wirken

Über Einzigartigkeit staunen

Herausforderung und wachsen darin

Geborgenheit schenken und empfangen

Echtheit neu entdecken

Im Jetzt leben

Nähe spüren

Veränderung, Entwicklung

Und so vieles mehr…

 

Ich darf Mama sein von fünf Kindern.

Unsere Älteste (fast neun Jahre alt), ihr Name bedeutet die Friedliche und das spiegelt sich auch in ihrem Charakter wieder.

Unsere zweite Tochter (sieben), ist ganz quirlig und sprüht vor Leben und Phantasie.

Unsere dritte Tochter durfte ich neun Monate in meinem Bauch tragen. Wir erlebten zusammen eine wunderbare Schwangerschaft. Vier Wochen vor Ihrem errechneten Geburtstermin starb sie leider in meinem Bauch. Wir mussten Abschied nehmen, loslassen lernen, Trauer zulassen, in Gottes Hände zurückgeben, hatten und haben viele Fragen, erlebten viele traurige und auch wütende Momente. Doch mitten in all dem durften wir ganz intensiv erleben, wie Gott, der dieses Kind in mir erschaffen hatte, (Psalm 139) uns tiefen Frieden und großen Trost schenkte und schenkt. Wir wurden getragen durch die schweren Monate nach ihrer Geburt und erleben das so bis heute. Eines unserer Mädchen meinte einmal, sie hat einfach eine Abkürzung in den Himmel genommen.

Unsere vierte Tochter(drei) ist willensstark und lebensfroh. In der Schwangerschaft mit Ihr durfte ich lernen, dass nun Angst und Trauer Blumen sind, die zu meinem Lebensgarten mit dazu gehören und gleichzeitig mit Freude, Zuversicht und Hoffnung zu unserem Leben gehören.

Nun trage ich unser fünftes Kind in mir. Wir sind schon sehr gespannt darauf, freuen uns darauf es bei uns in der Familie willkommen zu heißen und sind froh mit all unseren Gedanken zu Gott kommen zu können.

Ich bin dankbar für dieses unendlich große Geschenk Kinder haben zu dürfen und einen Mann an meiner Seite, der ein wunderbarer Ehemann und Papa ist.

 

Ich glaube dass Gott uns Frauen für Mutterschaft berufen hat. Nicht jede Frau bekommt leibliche Kinder aber Viele leben in der Berufung Mutter für Viele zu sein, in unterschiedlichsten Formen. Wir spenden Leben, lieben, lachen, versorgen, fördern, behüten…

So hat jede Frau ihren einzigartigen Platz in Gottes großer Familie, den niemand anders einnehmen könnte, geliebt vom Vater, dem Schöpfer allen Lebens, selbst.

 


 

 

Motherhood for me means

 

a privilege

a gift from God I can’t earn

a miracle I receive from the hands of the Creator, formed inside of me,

one that I get to carry, to love, to accept, to birth, to let go

carrying responsibility

being mould all over again and again

sometimes reaching the ends of my own strength and learning to live from God’s

to love, to laugh, to dream, to live

being a witness to God’s doings

marveling individuality

challenge and grow in challenge

to give and receive emotional security

discover authenticity

live now

feel closeness

change, development

and so much more …

 

I get to be the mother of five children.

Our oldest one (nearly nine years old), her name means “the peaceful one” which reflects her character perfectly.

Our second daughter (seven), she is vivid, full of life and imagination.

Our third daughter, I was privileged to carry in my womb for nine months. We had a beautiful pregnancy together. Four weeks before her due date she died in my womb. We had to say goodbye, learned to let go, allowed grief, gave back to God, had and still have so many questions, experienced desolate and angry moments. In all of this we experienced how God who created this child in me (Psalms 139) gave and gives deep peace and comfort. We were carried through these hard months after her birth and this is how it is up to today. One of our girls once said, she simply took a shortcut to heaven.

Our fourth daughter (three) is strong-minded and joyful. Being pregnant with her I could learn that fear and grief are flowers that grow in my life’s garden. They belong there, as do joy and hope.

Now I carry our fifth child inside of me. We are very excited to welcome this child into our family and we’re glad we can come to God with all our thoughts.

I am grateful for this endlessly big gift of having children and a man by my side who is a wonderful husband and father.

 

I believe that God called us women into motherhood. Not every woman conceives children but a lot of women live their calling in various forms. We give life, love, laugh, nourish, encourage, protect, …

Every woman has her individual place in God’s big family nobody else could take, loved by the father, Creator of all life himself.

 

J., Mama von Zwillingen mit Himmels­geschwistern

 

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Mutter sein zu definieren ist gar nicht so leicht. Es bedeutet für mich insbesondere zu lieben, Gefühle in einer Intensität zu erleben, wie ich es nie für möglich gehalten hätte (und nicht nur die schönen:)), aber auch die Bedürfnisse anderer über meine stellen zu lernen und mich in Geduld zu üben (puh!). Es bedeutet, wieder aus tiefstem Herzen zu lachen, die kleinen Dinge des Lebens zu sehen, langsamer zu werden, zu staunen, stolz zu sein und zu kämpfen wie eine Löwin.

Kleine Menschen prägen zu dürfen, zu beobachten wie sie wachsen, einen eigenen Willen bekommen, sie anzuleiten, ihnen Hilfe und Unterstützung zu geben und zu sehen, wie sie lernen Dinge selber und auch anders zu machen, als ich sie vielleicht machen würde.

Ständig müde zu sein, sich Sorgen zu machen, aber auch Leichtigkeit neu zu empfinden, Dinge nicht mehr so ernst zu nehmen. Oft alle Zeit der Welt zu haben aber zu nichts zu kommen. Wieder lernen zu spielen; die Welt verstehen zu wollen, ausgelassen zu sein, nie pünktlich zu sein und für vieles ewig zu brauchen.

Den Weg wieder als Ziel zu sehen. Selten saubere Sachen anzuhaben, aber auch das nicht mehr so wichtig finden. Mitzuleiden, Leid abnehmen zu wollen, Schützen und beschützen zu wollen, vieles anders zu sehen und neu zu hinterfragen. Grenzen zu setzen, zu erziehen und mich peinlich zu verhalten und mich zu schämen-dafür, was ich früher über Mütter gedacht habe ;).

Es bedeutet so vielen mehr… auch demütig zu werden und dankbar…. Dankbar dafür, dass ich eine Mutter hatte, die für mich all das und noch viel mehr war.

 


 

Defining „mother“ is not easy. For me, it means to love, to experience feelings in an unexpected, unknown intensity (and not just the positive ones), but also to put the needs of other above my own and practice patience (phew!). It means, to laugh again from deep deep down, to see the little things in life, to slow down, to wonder, to be proud, to fight like a lioness.

To shape little humans, to observe how they grow, develop their own will, to guide them, to offer help and support and to see, how they do things themselves and maybe differently than I would do them.

To be constantly tired, to worry, but also to experience ease in a new way, to not take everything so serious. Oftentimes, to have a lot of time but not being able to get something done. Learning to play again; wanting to understand this planet, being frolic, never being on time and needing a lot of time for most of the things.

To regard the journey as the reward. Rarely wearing clean clothes but finding this to be less important. Suffering with them, wanting to take some of the pain off them, protecting and defending, seeing things differently and questioning them as well. Setting boundaries, parenting and behave weirdly in public, being ashamed – for what I’ve once thought of other parents.

For so many, it means so much more … becoming humble and grateful … grateful for having a mother of my own who was all that to me and a lot more.

L., Mama von mehr als einem

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Ich saß in einem Beratungsgespräch mit einer Mutter. Sie schaute mich an. In ihrem Blick: Ratlosigkeit, Zweifel, Hoffnung, Bitte. „Haben Sie Kinder?“ Spontan antwortete ich: „Nein.“ Aber ich wusste, dass es eigentlich nicht ganz wahr war. Dabei scheint das doch eine einfache Frage mit einer einfachen Antwort zu sein. Ist es aber für mich nicht. Nicht mehr.
Hätte man mich noch vor zwei Jahren gefragt, was eine Mutter ist, hätte ich eine klare Antwort geben können: Eine Frau mit einem Kind. Heute fällt meine Antwort darauf nicht mehr so deutlich aus. Der Begriff ist, so eindeutig er scheint, für mich zu einem vieldeutigen geworden und je mehr ich versuche, ihn zu fassen, desto ungreifbarer wird er für mich.
Die korrekte Antwort wäre nämlich gewesen: „Ja, eine Tochter.“ Eine ganz kleine und zarte. Von der mir ein Name, wenige Fotos, ein Anhänger an einer Kette, eine Spieluhr und ein selbstgebastelter Grabstein geblieben sind. So kurz war sie da. So schnell ist sie gegangen. Ohne einen Atemzug. Ganz still.

Als sie ging, blieb ich mit einem leeren Bauch und einem vollen Herzen zurück. Was darin war? Wut aber auch Freude, Traurigkeit aber auch Erstaunen, Ratlosigkeit aber auch Frieden, Bedauern aber auch Träume (diese widersprüchliche Mischung entstand wohl, weil ich sie zwar verloren, aber eben auch geboren hatte). Das schlimmste jedoch war das Gefühl der Unvollständigkeit. Mutter ohne Kind. Verwaiste Mutter. Mutter mit Sternenkind. Kein Begriff erfasste es völlig. Lange suchte ich den passenden.

Gefunden habe ich den ursprünglichen; ich habe mich einfach als eine Mama gesehen. Es war die Versöhnung mit meinem „Zustand“. Denn diese Erkenntnis hat sich festgesetzt: Dass Muttersein viel mit Loslassen und Annehmen zu tun hat.

Loslassen von Vorstellungen, Hoffnungen, Träumen, Kontrolle, Sicherheit, Perfektion, Ansprüchen.

Das Kind selbst loslassen.

Annehmen von Überraschungen, Unordnung, Kummer, Zweifeln, Ratlosigkeit, Versagen; annehmen, dass die Dinge meist anders laufen, als man es sich vorstellt.

Das Kind so annehmen, wie es ist.

Das muss jede Mutter tun und können, ob ihr Kind lebt oder gesund ist, stirbt oder krank ist oder auch gar nicht erst gezeugt wird – in den letztgenannten Fällen ganz besonders.

Obwohl ich mit meiner Tochter vieles nicht erfahren durfte, was mit Muttersein zu tun hat, habe ich doch wie jede Mutter erlebt: Jedes Kind kommt und geht wieder – von Geburt an. Und dieser Entbindungsprozess ist schmerzhaft und befreiend zugleich. Es schmerzt, ein Kind gehen zu lassen, zu bemerken, dass man selbst gar nicht so viel tun kann. So gerne man ein Kind vor allem schützen möchte, so unmöglich ist es. Man muss es loslassen. Zugleich ist es befreiend, das Kind nicht festhalten zu müssen, es loslassen zu dürfen, zu erkennen, dass man gar nicht alles tun muss.
Ich weiß, dass sich meine Tochter jetzt in liebenden Armen und in absoluter Sicherheit befindet. Um sie muss ich mich nicht mehr kümmern und sorgen; jemand anders tut es für mich und bringt ihr absolute Annahme entgegen. Ich habe losgelassen, lasse los, darf loslassen. Mir bleibt nur noch anzunehmen, dass meine Pläne nicht verwirklicht werden können, wie ich es mir erhofft hatte, dass mein Leben nun einen anderen Verlauf nimmt.

Seit Dezember habe ich ein weiteres Kind. Einen Sohn. Als ich frisch entbunden hatte, lautete einer der ersten Sätze, den ich hörte: „Jetzt bist du eine richtige Mama.“

„Nein“, dachte ich. Das war ich bereits vorher.

 


 

Together with a mother, I was having a counseling session. She looked at me. In her eyes: helplessness, doubt, hope, plea. “Do you have children?” Spontaneously I answered: “No.” But actually I knew that this was not really true. Yet this seems to be a simple question requiring a simple answer. Not for me. Not anymore. If someone had asked me two years ago what a mother is I would have given a precise answer: a woman with a child. Today my answer to this question is not as definite anymore. This term, as obvious as it seems, for me became an ambiguous one and the more I try to grasp it, the less I feel able to grasp it.
The correct answer would have been: “Yes, I’ve got a daughter.” A wee little and delicate one. Of who I’ve got left a name, a few photos, a necklace pendant, a music box and a self-made gravestone. This is how short she was here. This is how quickly she went. Without a breath. Quietly.

As she went, I was left with an empty belly and a full heart. What was inside? Anger but joy, sadness but wonder, helplessness but peace, regret but dreams (I assume, this contradictory mixture developed because I lost her but I also had given birth to her). However, the most horrible was this feeling of incompleteness. Mother without a child. Orphaned mother. Mother with an angel baby. There was no term that could fully describe it. I was looking for the right one for a long time.

I found the original one; I simply saw myself as a mama. It was the reconciliation with my “status”. Because this realization established: That motherhood as a lot to do with letting go and embracing.

Letting go off imaginations, hopes, dreams, control, security, perfection, demands.

Letting go the child itself.

Embracing surprises, mess, sorrow, doubts, helplessness, failure; embracing that things oftentimes go differently than you imagined.

Embracing the child as it is.

Every mother has to do this, no matter if her child is alive or healthy, dies or is ill, or even if her child is not conceived – especially the latter.

Although me and my daughter could not experience a lot of those things that have to do with being a mother, I still experienced what  every mother does: every child comes and goes again – from day one. It hurts, to let a child go, and it’s liberating at the same time. As much as you wish you could shield your child from harm, as impossible it is. You have to let go. At the same time it is liberating, not having to hold onto the child, being a allowed to let go, realizing you don’t have to do everything.
I know that my daughter now is in the care of loving arms and in finite security. I don’t have to take care of her anymore; someone else does it for me and takes her as she is. I have let go, l let go, I can let go. For me, I can only embrace that my plans cannot be fulfilled as I had hoped for, that my life takes a different path.

Since December I have got another child. A son. When I had just given birth, one of the first sentences I heard was: “Now you really are a mama.”

“No,” I thought. I was before.

define: mother

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Für manche Menschen ist es Weihnachten, für manche Muttertag: ein Feiertag, der weh tut. Warum das? Vielleicht weil das Mutterwerden so groß ist und tief geht. Es ist ein Prozess, der niemals nur „Muttersein“ ist, sondern immer auch ein „Mutterwerden“ bleibt. Es ist ein Prozess, der niemals wirklich abgeschlossen wird. Und oft ist es ein Prozess, der nicht klar und deutlich dann beginnt, wenn eine Frau ein Kind zur Welt bringt. Das kann weh tun.
Die Frage, was eigentlich eine Mutter ist und ausmacht, beschäftigt mich inzwischen seit über drei Jahren. Als 2014 unser erster Sohn still geboren wurde, war natürlich sein Tod selbst das Schmerzhafteste. Aber was mich ebenfalls unheimlich schmerzte war der nach außen hin verlorene „Muttertitel“. Von außen betrachtet war ich keine Mutter, schließlich hatte ich kein Kind „vorzuzeigen“. Aber doch hatte ich eines geliebt und geboren. Muttertag 2014 war für mich vor allem eins: schmerzhaft.
Vor einigen Monaten wurde die Tochter einer mir nahestehenden Frau ebenfalls still geboren. Sie berichtete mir von ähnlichen Gedanken und Gefühlen. In den Augen der anderen sei sie nun ja keine Mama mehr.

Meinen eigenen Schmerz darüber hat das neu entfacht und ich habe gemerkt, dass dieser Schmerz Teil des Mutterwerdens, meines Mutterwerdens, vielleicht auch deines Mutterwerdens ist.

 

Was macht eine Frau zur Mutter? Ein Kind zu erziehen? Ein Kind im Arm zu halten? Ein Kind zu gebären? Ein Kind im Bauch zu tragen? Ein Kind zu empfangen? Ein Kind zu erhoffen? Ein Kind zu lieben? Definiere: Mutter.

 

Nächsten Sonntag ist Muttertag. Ich weiß nicht, wie es dir beim Gedanke daran geht. Bis dahin werden hier auf dem Blog täglich Frauen von ihren Wegen des Mutterseins berichten. Frauen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Hintergründe, Erlebnisse, Blickwinkel. Meine und unsere Hoffnung ist, dass dich etwas davon abholt, wo du gerade stehst. Dass dich etwas auffängt, ermutigt, inspiriert. Und dass das Ganze weitergehen darf, wenn du auch Teil von define: mother wirst.

 


 

For some people it’s Christmas, for some it’s Mother’s Day: a holiday that hurts. Why this? Maybe because becoming a mother is so big. It is a process that never really is just “being”, there’s always “becoming”. It is a process that is never completed. And it often it is a process that does not have this one clear start of giving birth to a child. This can hurt.

The questions what it is being a mother is on my mind for over three years now. In 2014 our first son was stillborn and of course his death itself hurt beyond words. But what hurt as well was that I lost my “status” of being a mother, at least from the outside. I wasn’t a mother because I had no child with me. Still, I had loved and given birth to one. Mother’s Day 2014 was one of the most hurting days of my life.
A few months ago, a woman who I am very close to, gave birth to her stillborn daughter. She told me of similar thoughts and feelings. In the eyes of other people she wasn’t a mother anymore.

This sparked my own pain about this again and I realized that this pain is part of becoming a mother, of me becoming a mother, maybe of you becoming a mother.

 

What makes a woman a mother? To raise a child? To hold a child? To give birth to a child? To grow a child? To conceive a child? To hope for a child? To love a child? Define: mother.

 

In Germany and many other countries, it’s Mother’s Day next Sunday. I don’t know how you feel about this. However, up to this date there will be one report every day in this space, reports of women who talk about their paths of becoming mothers. Women of different ages, different backgrounds, experiences, attitudes. My and our hope is that there will be something that picks you up wherever you are. That there will be something that speaks to you, something that sparks courage and inspiration. And we hope that this will continue when you become part of define: mother.